Livestream-Grafik: das Paket und das Handwerk
Gute Livestream-Grafik ist kein Design-, sondern ein Timing-Problem. Das Paket ist klein und hat sich in vierzig Jahren Fernsehen kaum verändert; was einen professionell wirkenden Stream ausmacht, ist zu wissen, was auf den Schirm gehört — und vor allem, wann es wieder herunter muss.
Das Paket
Fast jede Livesendung, vom Champions-League-Finale bis zum Zwei-Personen-Podcast, nutzt dieselbe Handvoll Grafiktypen:
- Namensinsert (Bauchbinde) — beschriftet eine Person. Kommt, wenn sie zu sprechen beginnt, geht, bevor sie fertig ist.
- Bug — dauerhaftes Eckelement: Logo, Spielstand, Uhr, LIVE-Kennzeichen. Steht lange, muss also klein und leise sein.
- Ticker — Laufband oder Balken unten für Zweitinformation, die niemand sofort lesen muss.
- Ereignisgrafik — ein Tor, eine Karte, ein neues Abo, ein Umfrageergebnis. Knackig, kurz, blendet sich selbst aus.
- Vollbildkarte — Tabelle, Aufstellung, Ergebnisse, Sendeplan, „bin gleich zurück“. Wird genutzt, wenn im Bild nichts Wichtiges passiert.
Timing ist die ganze Arbeit
Ein Namensinsert gehört in die ersten Sekunden, in denen jemand spricht — nicht dreißig Sekunden später, wenn das Publikum die Frage längst aufgegeben hat. Fünf bis sieben Sekunden stehen lassen und herausnehmen; spricht dieselbe Person zwanzig Minuten später wieder, fahr es erneut, statt es stehen zu lassen.
Ereignisgrafiken sind das Gegenteil: Sie müssen in derselben Sekunde landen wie das Ereignis. Eine Torgrafik drei Sekunden zu spät ist schlimmer als gar keine. Deshalb zählen Ein-Tasten-Befehle mehr als schönes Design — der Unterschied zwischen Amateur und Profi wird meist in Frames gemessen.
Ein Operator, zwei Hände
In der Regie macht der CG-Operator nichts anderes. Im Stream ist dieselbe Person meist auch der Kommentator. Daraus folgen zwei Regeln: Das Pult muss vorher getippt sein, und der Auslöser muss eine einzige Taste sein.
Bereite Namen in der Vorlaufphase vor, park sie in einer Liste und fahr sie per Kürzel, während du sprichst. Alles, wofür du den Mauszeiger suchen musst, wird genau dann übersprungen, wenn es zählt.
Lesbarkeit auf dem Handy
Plattformen komprimieren hart, und die meisten schauen auf einem handgroßen Display. Dünne Schrift, wenig Kontrast und feine Details überleben den Weg nicht. Größere Schrift, kräftigere Schnitte, deckende Flächen hinter dem Text und großzügige Abstände schon.
Ein kostenloser Test: Verkleinere das Vorschaufenster auf Handygröße. Wenn du das Insert dort nicht lesen kannst, kann es dein Publikum auch nicht.
Woher die Daten kommen
Live-Grafik ist nur so gut wie die Zahlen dahinter. Automatische Feeds sind bequem, bis sie mitten im Spiel abbrechen — deshalb ist LowerThird Software manuell zuerst: Alles lässt sich von Hand eintippen und korrigieren, und automatische Quellen sind eine optionale Bequemlichkeit obendrauf, nie eine Abhängigkeit.
Genau diese Entscheidung hält eine Sendung auf Sendung, wenn ein Datenanbieter an einem Samstagnachmittag einen Endpunkt ändert.
Das komplette Paket in einem Pult Inserts, Bugs, Ticker, Ereignisgrafiken und Vollbildkarten — aus einem Fenster gefahren, über eine Browser-Quelle geliefert.
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